Interview: Warum wir auf nachhaltige Mode setzen sollten

Dienstag, 04.07.2017

Egal, ob regionale Lebensmittel, umweltfreundliche Putzmittel oder energiesparende Technologien – das Bewusstsein für Nachhaltigkeit im Alltag steigt. Aber wie passt Mode mit dem sogenannten "Green Lifestyle" zusammen? Wir haben uns mit Nicole Noli, Gründerin der Fair Fashion Concept Stores "DearGoods" darüber unterhalten.

Den allerersten "DearGoods"-Laden eröffnete Nicole Noli 2012 in München. Inzwischen hat die ehemalige Bilanzbuchhalterin und Unternehmensberaterin ein kleines veganes Fashion-Imperium aufgebaut: Über 20 Mitarbeiter kümmern sich um fünf Boutiquen in drei Städten sowie um einen Onlineshop. Unter dem Motto "Animal Human Ecofriendly" bietet "DearGoods" dort vegane Öko-Fairtrade-Mode an.

Grüne Mode: Aus Liebe zu Tier, Mensch und Umwelt

Frau Noli, wie entscheiden Sie, was in Ihren Läden verkauft wird?

Animal Human Ecofriendly", so lautet das Motto von "DearGoods

Animal Human Ecofriendly", so lautet das Motto von "DearGoods

Es gibt mittlerweile sehr viele Hersteller, die etwas besser machen möchten. Und aus deren Sortiment wähle ich dann das Schönste unter unseren drei Voraussetzungen aus. Die lauten: biologisch, vegan und fair. Zudem prüfe ich alle Artikel aufs Preis-Leistungs-Verhältnis und natürlich müssen die Produkte schön sein.

Ihre Angebotspalette ist sehr groß: Kleidung, Accessoires, Home-Produkte. Haben Sie ein Lieblingsstück?

Da gibt es viele (lacht). Die neue Kleidung, die reinkommt, fühlt sich so schön an. Wenn man einmal ein biologisches Kleidungsstück besitzt, dann greift man auch immer wieder dazu, weil man es am liebsten anzieht.

Designer wie Stella McCartney verzichten auf tierische Produkte in ihren Kollektionen. H&M bringt regelmäßig eine "Conscious Exclusive"-Kollektion heraus. Die "Großen" springen auf den Zug der nachhaltigen Mode auf. Was halten Sie davon?

Die "Großen" bedienen leider nur einen Trend. Das ist tatsächlich "Greenwashing" (Anm. d. Red. PR-Methoden, die einem Unternehmen ein umweltfreundliches Image verleihen) und ich finde das ziemlich verlogen. H&M ist überhaupt nicht nachhaltig. Natürlich ist es trotzdem sinnvoll, dass die endlich Biobaumwolle kaufen. Aber nur etwa 20 Prozent des Produktes bestehen dann aus Biobaumwolle, der Rest sind herkömmliche Materialien. Bio bedeutet außerdem leider auch nicht Fairtrade. Da muss man vorsichtig sein.

Nicole Noli DearGoods

Nicole Noli, Inhaberin von DearGoods

Wie können Kunden nachhaltige Mode erkennen?

Es gibt sehr viele Siegel und Zertifikate, die mit Sicherheit alle recht gut sind. Es kommt natürlich immer darauf an, wie streng die Kontrollen sind. Und wie streng sich ein Hersteller aus eigener Überzeugung daran hält. Nicht Siegel alleine halte ich für wichtig, sondern die Einstellung, die Philosophie des Herstellers.

Bio und Fairtrade sollte eigentlich der Standard sein. Chemie, Zerstörung und Ausbeutung, das sollte gekennzeichnet sein. Das wäre mein Wunsch.

In vielen Köpfen steckt die Vorstellung: "Nachhaltige, vegane Mode, das wird teuer." Wie sehen Sie das?

Das stimmt im Vergleich zu Läden wie Primark oder H&M. Wer aber bei mittelpreisigen Marken wie Esprit oder Marco Polo shoppt, müsste nicht mehr ausgeben für faire und nachhaltige Mode. Da liegt "DearGoods" genau im gleichen Preissegment.

Sie bieten ausschließlich vegane Kleidung an. Können tierische Produkte wie Leder tatsächlich immer durch umweltfreundliche Alternativen ersetzt werden?

Leder an sich ist ja kein umweltfreundliches Material. Da muss noch viel Aufklärungsarbeit betrieben werden, weil viele Leute denken, Leder sei nur ein Abfallprodukt bei der Fleischherstellung. Dann wird es ganz fies gegerbt und man trägt die Giftstoffe auf der Haut mit sich herum.

Es ist daher nicht schwer eine Alternative zu finden, die umweltfreundlicher ist. Es gibt beispielsweise Taschen aus Kork oder aus recycelten alten Planen. Eine Alternative die zu 100 Prozent umweltfreundlich ist, gibt es aber noch nicht.

Von Kleidung, über Taschen bis zu Accessoires – für alles gibt es heute Öko-Alternativen.

Von Kleidung, über Taschen bis zu Accessoires – für alles gibt es heute Öko-Alternativen.

Welche Entwicklungen oder Trends können wir in nächster Zukunft im Bereich der nachhaltigen Mode erwarten?

Auf jeden Fall wächst die Branche ständig und die Auswahl an neuen Designs und Materialien wird größer. Darauf freue ich mich.

 Warum wir auf nachhaltige Mode setzen sollten

Gut angezogen: Nachhaltige Mode sieht nicht nur schön aus, sondern hilft auch der Umwelt.

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04.07.2017 16:00
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