Ständige Lebensoptimierung – mehr Schaden als Nutzen?

Donnerstag, 09.03.2017

Fitness-Tracker, ein strukturierter Ernährungsplan, mehr Effektivität – die Möglichkeiten zur Lebensoptimierung scheinen mittlerweile schlichtweg unendlich zu sein. Aber muss es wirklich sein, sich derart zu disziplinieren? Vielleicht wären etwas Gelassenheit und etwas weniger Druck doch gar nicht so schlecht.

Natürlich wollen wir uns ständig verbessern, das liegt in unserer Natur. Doch die technologischen Innovationen, die dem Trend zur Lebensoptimierung folgten, machen es heute fast unmöglich, nicht permanent mit Druck konfrontiert zu sein. Bleibt da noch Raum für Lebensfreude und Intuition?

Bereits Kinder spüren, was Lebensoptimierung zu bedeuten hat.

Bereits Kinder spüren, was Lebensoptimierung zu bedeuten hat.

Lebensoptimierung beginnt im Kindesalter

Die meisten stellen sich hinter dem Lebensoptimierungstrend vor allem Menschen vor, die mit Fitness-Trackern an den Handgelenken ständig im Blick haben, was für sie das Beste ist. Um halb fünf am Morgen aufstehen, ein Glas Wasser trinken und sich mit einem entspannten Lauf durch den Wald zu neuer Energie verhelfen – und stets auf der Suche, den optimalen Weg zu finden, mit dem sich das Leben gut anfühlt und möglichst effektiv gestaltet wird.

Doch genau diese Veränderungsmaßnahmen beginnen schon im Kindesalter. So wird der Nachwuchs in der Schule nicht nur nach den Noten in den Fächern beurteilt, sondern auch nach seinen Charaktereigenschaften. Ist ein Schüler schüchtern, soll er lernen, sich zu öffnen. Kann der kleine Paul sich nicht entscheiden, muss er üben, sich festzulegen. Und all das nur, um sich für ein vermeintlich erfolgreiches Leben zu qualifizieren.

Individualität bleibt auf der Strecke

Doch bei all den Maßnahmen zur Lebensoptimierung bleibt eines auf der Strecke: die Individualität. Zwar lassen sich bei diversen Fitness-Apps Werte wie das eigene Körpergewicht oder Ähnliches einstellen, doch unsere Neigungen und Interessen werden in den seltensten Fällen berücksichtigt. Und trotzdem boomen die Utensilien, die es möglich machen, unser Leben messbar zu machen.

Wissen, Vergleichbarkeit und Konkurrenz

Der Erfolg der Lebensoptimierungstools ist nicht wirklich verwunderlich. Immerhin liegt es in der Natur des Menschen, immer mehr wissen zu wollen. Zudem wollen wir auch dazugehören, sind gewissermaßen Herdentiere, die dem folgen, was momentan hoch im Kurs steht. Daraus ergeben sich jedoch falsche Maßstäbe: In Kursen und Ratgebern wird vermittelt, wie das eigene Leben aussehen sollte, um mit dem Stempel "gut" belohnt zu werden. Ein schönes Haus, die glückliche Familie, beste Gesundheit – all das wird zu den Zielen, die es im Leben zu erreichen gilt.

Und weil diese so klar definiert sind, gibt es auch nur selten ein Wenn und Aber. Schließlich wollen die meisten Menschen dazugehören und nicht von der Norm abweichen. Das einzige, was vielleicht im Wege stehen könnte, wäre der Wunsch, noch besser zu sein. Konkurrenz belebt das Geschäft – auch das des eigenen Lebens. Somit sind kleine Helferlein in Form von Apps oder Ähnlichem Instrumente, die uns auf dem Weg nach oben begleiten – vermeintlich.

Der Vergleich macht nicht glücklich

Dabei könnte es viel sinnvoller sein, sich auf das Eigene zu besinnen. Sobald Menschen beginnen, sich mit der Spitze zu vergleichen, schleicht sich schnell eine innere Unzufriedenheit an, weil sie das Gefühl bekommen, minderwertig zu sein. Das gilt nicht nur im Beruf, sondern auch in Bezug auf das Aussehen, wenn Models aus großen Werbekampagnen als Maßstab gesetzt werden.

Auch wenn Fitness-Tracker sinnvoll sein können – sie müssen nicht dein Weg zum Glück sein.

Auch wenn Fitness-Tracker sinnvoll sein können – sie müssen nicht dein Weg zum Glück sein.

Lebensoptimierung mit eigenen Maßstäben

Wie wäre es also, die Ideale über Bord zu werfen und sich auf die eigenen Wünsche und Ziele zu fokussieren? Anstatt sich von Apps oder anderen Regelwerken beeinflussen zu lassen, besteht die Möglichkeit, sich selbst über die eigenen Wünsche bewusst zu werden. Was möchtest du erreichen? Hast du eine klare Vorstellung, geht es schließlich darum, einen Weg zu finden, der zu dir passt. Willst du etwa abnehmen, werden dir sicher Sportarten wie HIIT oder CrossFit vorgeschlagen, weil sie als besonders effektiv beim Muskelaufbau und der Fettverbrennung gelten. Aber vielleicht erfüllt dich das Programm ja gar nicht – und das führt dazu, dass du es nicht durchziehen kannst und mit Freude zu deinem Wunschgewicht kommst, das du wirklich halten kannst.

Mach dich also auf die Suche, probiere dich aus und finde heraus, was dich mit Glück erfüllt. Kleine Rückschläge sind normal, aber quälen solltest du dich gewiss nicht. Positive Emotionen sind das, was dich in deinem Leben voranbringt. Akzeptiere dich, wie du bist, mit all deinen Facetten und verurteile dich nicht, nur weil du nicht in ein gewisses Schema passt. Sei dankbar für das, was du hast und öffne dich deinem Leben – denn was könnte das Leben erfolgreicher machen, als mit dir selbst im Reinen zu sein?

Ständige Lebensoptimierung – mehr Schaden als Nutzen?

Auch mit Gelassenheit und ohne strikte Disziplin lassen sich Lebensziele verfolgen.

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09.03.2017 13:09
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