Beauty & Lifestyle

Interview mit Lena: "Das ist schon ein Jackpot"

DONNERSTAG, 22.02.2018

Lena Meyer-Landrut zählt zu den erfolgreichsten Sängerinnen und Musikern Deutschlands. Sie ist aber auch als Markenbotschafterin für L'Oréal Paris unterwegs. Wir haben sie auf der Berlinale zum Interview getroffen. 

Lena Mayer-Landrut hat es sich auf dem Sofa im Berliner Hotel "Titanic" bequem gemacht. Um sie herum eine Gewusel an Journalisten, PR-Leuten und Leuten mit irgendwelchen wichtigen Positionen. Sie sitzt entspannt da und lächelt das ganze Chaos um sie herum einfach weg. Lena ist gerade in Berlin, um als Markenbotschafterin von L'Oréal Paris unter anderem einen nagelneuen Pop-up Store in Berlins Mitte zu eröffnen und ein kleines bis dahin noch geheimes Konzert zu geben. Wir haben uns die Sängerin für ein kurzes Interview geschnappt, um unter anderem über ihre Rolle als Influencerin, die Zukunft und Lieblingsserien zu sprechen. 

Lena, kannst du dich noch an deinen ersten Instagram-Post überhaupt erinnern?

"Also ich weiß, dass mein allererster Instagram-Post bestimmt ein Selfie war oder irgendein Frosch aus dem Aquarium?" (Anm. d. Red.: Es war ein Frosch im Aquarium, vom 6. Mai 2012 mit der Bildunterschrift "At the Dallas world Aquarium")

Welche Rolle spielt Instagram für dich?

Lena Meyer Landrut

Lena gab ein exklusives Unplugged-Konzert im Rahmen der Eröffnung des L'Oréal Pop-up Shops.

"Für mich spielt Instagram in jedem Fall eine große Rolle. Ich finde, es ist ein super Tool, um damit zu arbeiten. Aber Instagram ist nicht mein Job. Ich kann teilen, auf was ich Lust habe: was ich schön finde, was ich so jeden Tag beobachte. Ich nehme die Leute mit, wenn ich irgendwelche Jobs habe und versuche wirklich einen guten Einblick zu geben, was hinter den Kulissen passiert. Klar, wenn ich jetzt auf der Berlinale bin, bin ich für L’Oréal im Einsatz, dann ist Instagram auch mein Job. Dann sind fast alle Bilder gesponsert – in unserer tollen, neuen "Bezahlte-Partnerschaften-Welt". Aber für mich ist es schon so, dass Instagram für mich 90 Prozent Spaß ist und nicht, dass ich mir bei jedem Post Gedanken machen muss: wer sponsert dies, wer macht das, was ist da mein nächster Deal und Partner."

Was lässt du bewusst privat und zeigst es nicht auf Instagram?

"Instagram bedeutet für mich Öffentlichkeit. Alles, was ich poste, kann in Zeitungen oder online verwendet werden. Deswegen: Ja, klar auf jeden Fall poste ich Dinge bewusst nicht auf Instagram. Ich schütze mein Privatleben auch, indem ich keine Homestories mache oder zum Beispiel nicht mit meiner Mutter über den roten Teppich gehe. Insofern halte ich das auch auf Instagram außen vor. Ich hab einfach nicht das Bedürfnis danach, mein Zuhause oder meine engste Familie zu zeigen oder bei Instagram einzubinden. Ich finde das toll, wenn das Leute machen. Ich finde das auch unterhaltsam und gucke mir das gerne an, aber es ist auch schön, dass man darüber die Macht hat, zu entscheiden, was man da gerne teilen möchte und was nicht."   

In einem Post vom Anfang Februar sprichst du davon, dass das reale Leben nicht immer wie in Filmen oder wie bei Instagram ist. Und dass vor allem nicht junge Mädchen glauben sollen, dass das die Realität ist. Wie wichtige ist es dir, ein Vorbild für junge Mädchen zu sein?

"Ich finde, es gibt einen Unterschied zwischen Ästhetik und Fake. Ich habe nichts gegen ästhetische Bilder. Ich bin auch ein Ästhet und finde es schön, wenn Bilder von Menschen, Objekten, Häusern oder Natur einen ästhetischen Ansatz haben. Schöne Bilder zu machen und hochzuladen, ist für mich vollkommen in Ordnung, weil es einfach Spaß macht, schöne Sachen anzuschauen. Was ich aber besonders auffällig finde und was mir Sorgen macht, ist, dass man einfach so viel falsche und Fake-Sachen auf Instagram sieht, die es in der Realität gar nicht gibt und die gar nicht existieren können. Und diese Bilder vermitteln gerade jungen Mädchen ein falsches Bild von dem wie sie zu sein und was sie zu tun haben. Und vor allem was für Bilder sie posten müssen, um angesehen zu sein. Aber so wird nicht nur diktiert, wie sie zu posten haben, sondern auch wie sie im echten Leben am besten sein sollen: nämlich dicke Lippen und mega viel Make-up. Du musst das Outfit tragen und wenn du die Schuhe nicht hast, bist du nicht cool und so weiter. Das nimmt ziemlich krasse Ausmaße an, weil diese perfekte Welt so verschoben dargestellt wird."

Du hast inzwischen 2 Millionen Follower auf Instagram. Du bekommst für jeden Post sicher nicht nur positive Kommentare. Wie gehst du mit negativen Kommentaren und Hatern um?

"Ich finde Instagram ist eine ziemlich nette Community. Anders als Facebook, was total unmöglich ist, wie ich finde. Ich halte mich wirklich gar nicht mehr auf Facebook auf. Ich reposte dort das, was ich auf Instagram poste. Bei Facebook ist irgendeine Grenze überschritten worden, dort verlieren die Leute ihre Manieren.  Bei mir auf Instagram posten die Leute zum Glück viele gute Kommentare, die ich auch lese. Ich like auch, um Leuten eine Freude zu machen, aber ich blockiere auch Leute, die schlechte Sachen schreiben."

Verwaltest du deinen Account selber?

"Ja, das mache ich selber. Aber das hat jetzt auch noch nicht solche Ausmaße, dass man das nicht mehr selber machen kann. Aber ich mach’s jetzt auch nicht super akribisch."

Du bist inzwischen auf so vielen Kanälen erfolgreich: Musik, TV, Influencerin, Markenbotschafterin von L’Oréal. Was genau, würdest du sagen, ist dein Beruf?

Zitat Lena Meyer Landrut

"Ich bin Sängerin von Beruf. Dass ich Musikerin und Sängerin bin, öffnet mir zu diesen ganzen Sachen die Türen. Ich bin gezwungenermaßen Influencerin, weil ich viele Follower habe und ich bin Markenbotschaftern von L’Oréal, weil ich Sängerin bin und somit eine Person des öffentlichen Lebens und ich mich für Beauty und Mode interessiere. Auch TV macht mir total viel Spaß, aber für mich ist es dabei immer wichtig, die Brücke zur Musik zu schlagen, wie zum Beispiel bei "The Voice Kids" oder "Sing meinen Song". Ich habe sozusagen meine Kernkompetenz und da bleibe ich auch. Nicht dass irgendwann bei taff steht "Lena: Sängerin, Moderatorin, Schauspielerin und Bloggerin"." (Lacht)

Du hast vergangenen November angekündigt, dass du Album und Tour erst mal auf Eis legst. Jetzt vor kurzem kam die Nachricht, dass die Arbeiten für ein fünftes Album auf Hochtouren laufen. Das war ja nur eine sehr kurze Auszeit. Was hat dich so schnell zum Weitermachen bewogen?

"Für mich war's keine kurze Auszeit. Jeder interpretiert da etwas anderes rein, was er gerne dazu hören möchte. Für mich war es vergleichbar mit einer Autofahrt. Man fährt und fährt und fährt und irgendwann fragt man sich: Moment, wo fahre ich eigentlich gerade hin? Und warum fahre ich dahin? Darüber nachzudenken, während man fährt, ist einfach ein bisschen gefährlich und dumm. Deswegen habe ich einfach die Handbremse angezogen, bin kurz stehen geblieben, habe mir ein paar Gedanken gemacht, mich neu sortiert und wieder dahin orientiert, was ist mein Weg ist. So konnte ich wieder einen neuen Fokus finden."  

Was macht Lena Meyer-Landrut in ihrer raren Freizeit? Wie kannst du am besten Entspannen?

"Ich bin ein absoluter Serienjunkie. Ich gucke sehr gerne Netflix und ich gehe gerne mit unserem Hund Kiwi spazieren."

Was ist zur Zeit deine Lieblingsserie?

"Ich bin gerade mit der 4. Staffel Black Mirror durch. Meine Alltime-Classics sind Feel-Good-Serien, wie Modern Family oder Friends. Das geht immer. Vor ein paar Monaten hab' ich zum zweiten Mal Gossip Girl geguckt. Einfach noch mal, weil ich’s so geil fand. Und was gucke ich noch gerade? Ah, die Versace Doku! Die ist so geil! Von Ryan Murphy aus der "American Crime Story"-Reihe. Mit Penelope Cruz und Ricky Martin."

Verrätst du uns noch, wie dein Berlinale-Outfit und dein Beauty-Look dieses Jahr aussehen wird?

"Ich glaube wir machen sowas wie Smokey Eyes und ich hab ein ganz tolles Kleid an, in Lila (von Michael Sontag, Anm. d. Redaktion). Ich hab noch nie ein lilafarbenes Kleid angehabt, aber es ist megaschön!"

Gibt es eine Vision der Lena in zehn Jahren von dir?

"Wow. Keine Ahnung. Ich lass mich überraschen. Irgendwie ist man ja immer die gleiche, aber irgendwie verändert man sich auch ständig. Ich strebe auch danach, mich zu verändern, zu entwickeln, alte Sachen hinter mir zu lassen, neue Dinge anzunehmen. Ich will ehrlich zu mir zu sein, auf mein Bauchgefühl hören und eigentlich bin ich relativ gut damit, mich vom Gefühl leiten zu lassen. Ich schau einfach, wo die Reise hingeht. Ich bin in der unglaublichen Luxussituation, dass ich all das machen kann. Das ist schon ein Jackpot."

Lena Meyer Landrut bei der Berlinale 2018 pin

Lena Meyer Landrut auf dem roten Teppich bei der Berlinale 2018