Interview mit Karoline Herr von frolleinherr.com

DONNERSTAG, 19.04.2018

"Man sollte sich immer bewusst sein, was die eigene Arbeit wert ist"

Wir treffen Karoline Herr in ihrer Altbauwohnung in der Münchner Maxvorstadt. Der Weg zu ihrem Wohnzimmer führt durch einen hellen Eingangsbereich, dessen Wände von einem immensen Schuhregal verdeckt werden. In ihrem Wohnzimmer, das ihr gleichzeitig als Büro dient, liegen Pressemappen, Tüten und Kosmetikprodukte verstreut. Sie ist schon am Morgen top gestylt, wirkt ruhig und überlegt. Karo Herr hat im Sommer 2017 ihren festen Job gekündigt und den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Seit Februar ist sie mit ihrer Seite frolleinherr.com online. Im Interview spricht die Gründerin über das Mysterium "Blogger" und warum sie sich dazu entschieden hat, den Schritt ins Ungewisse zu wagen.

Was ist das Ausgefallenste, das auf deinem Schreibtisch steht?

Karoline Herr: Da steht nicht viel Ausgefallenes, das ist einfach ein einziges Chaos. Ich habe den Schreibtisch auch erst hier stehen, seitdem ich mich vor Kurzem selbstständig gemacht habe. Ich arbeite von zuhause aus, deshalb ist inzwischen die ganze Wohnung mein Schreibtisch. Hier stapeln sich Pressemappen, Gewinnspieltüten – ich lebe und arbeite in diesen Räumen. Das ist schön aber manchmal auch anstrengend, weil man nicht wirklich einen Abstand zur Arbeit bekommt.

Wie würdest du deiner Mutter erklären, was Dein Job ist?

Den Begriff 'Blogger' versuche ich eigentlich zu meiden, da er doch mit vielen Vorurteilen behaftet ist. Im Grunde mache ich dasselbe, was ich schon als Redakteurin gemacht habe: Ich suche Mode-, Beauty- und Interior-Themen, schaue was es alles an Trends gibt und versuche dann, das für meine Leser zu filtern und aufzubereiten. Dazu gehört es ebenfalls Produkte zu testen – so wie bei großen Modeheften auch.

Wie wird man Bloggerin?

Es gibt ganz unterschiedliche Wege. Gerade jetzt da der Beruf sich immer mehr etabliert, möchten viele Mädchen Bloggerinnen werden. Aber die meisten, die damit heute groß sind, haben das als Hobby gestartet. Da war natürlich anfangs wenig Druck da. Wenn man es nicht Hauptberuflich machen möchte, kann man es auf jeden Fall entspannter angehen lassen und sehen wohin es führt. Aber wenn jemand wirklich Interesse hat, das professionell durchzuziehen, dann muss man sich darauf einstellen, dass man erst einmal stark in Vorleistung gehen muss. Es ist ein hartes Business, eine harte Konkurrenz und nicht so easy wie das immer klingt.

Wie war das bei dir?

Ich bin ja im Grunde ein Quereinsteiger und auch noch am Anfang. Ich persönlich hätte mich vermutlich nicht dazu entschlossen, wenn ich nicht bereits Erfahrung im Schreiben und gute Kontakte zu Marken und PR-Firmen gehabt hätte. So war der Sprung für mich nicht so groß und ich konnte eigentlich nahtlos da weiter machen, wo ich vorher aufgehört habe.

Was ist dein Tipp für Frauen, die Bloggerinnen werden wollen?

Ich bin da ein bisschen altmodisch: Ich finde ein guter Blogger ist auch immer ein guter Journalist. Man muss nicht unbedingt auf eine Journalistenschule, aber ich glaube ein Studium – ganz gleich in welcher Fachrichtung – hilft einem, selbst denken zu lernen und Themen auf das Wesentliche runter zu brechen. Mädels, die ihren eigenen Blog starten wollen, sollten sich außerdem gut informieren und sich viele Seiten anschauen. Dabei würde ich vor allem überlegen: Was macht mich aus, was kann ich gut und was unterscheidet mich von anderen. Das Wichtigste dabei sind Authentizität und Ehrlichkeit. Und dann einfach machen – auch, wenn einem niemand versprechen kann, dass es funktioniert.

Was waren die Meilensteine auf deinem Karriereweg?

Karo Herr

Vor der Selbstständigkeit arbeitete Karo hat als Beauty-Redakteurin bei Elle.

Ich habe erst vergleichende Literaturwissenschaften studiert, wusste aber von Anfang an, dass ich über Mode schreiben möchte. Danach bin ich in eine Schneiderei, um mehr von der Materie zu verstehen – auch wenn ich mich selbst eigentlich überhaupt nicht als feinmotorisch bezeichnen würde. (lacht) Und dann habe ich mit einem Praktikum bei Elle begonnen, bin von der Beauty-Abteilung ins Lifestyle-Ressort. Mein ursprünglicher Plan war eigentlich danach in London meinen Master im Bereich 'Fashion Journalism' zu machen. Gleichzeitig habe ich aber das Angebot bekommen, bei Elle als Assistenz im Beauty-Ressort einzusteigen. Dann musste ich mich entscheiden: Entweder ich gehe nochmal ein Jahr studieren, ohne zu wissen, was mir das im Endeffekt bringt oder ich ergreife die berufliche Chance. Ich habe auf meinen Bauch gehört und letzteres gewählt – im Nachhinein genau die richtige Entscheidung, denn ein Jahr später habe ich bei Elle die Stelle als Beauty-Redakteurin bekommen.

Hattest du jemanden, den du als deinen Mentor betrachten würdest?

Nein. Ich komme aus einer sehr wirtschaftlich geprägten Familie und ich glaube, mein Vater hat bis zum Schluss gehofft, dass ich doch noch etwas 'Anständiges' mache. (lacht) Ich kannte auch niemanden in der Branche, hatte keine Tante oder Freundin meiner Mutter, die dort arbeitet. Mich überrascht das selbst, dass ich das aus eigener Kraft so geschafft habe. Ich hatte am Anfang auch Angst, weil es ja immer heißt, dass es gerade in der Modewelt viele Zicken gibt und die Leute oberflächlich sind. Aber als ich dann in meine erste Redaktion kam, war ich total begeistert, was dort für tolle und starke Frauen arbeiten.

Was war der beste berufliche Ratschlag, den Du je bekommen hast?

Gute Ratschläge habe ich leider eher wenige bekommen. Ich wurde oft sogar eher ausgebremst. Das Credo der Branche war: Geduld, Geduld, Geduld. Das ist sicherlich auch richtig, aber ich bin der Meinung, wenn man in etwas gut ist, dann ist das auch viel wert. Deshalb sollte man sich immer bewusst sein, was die eigene Arbeit wert ist und sich nicht klein halten lassen. 

Ein Ratschlag, den du anderen Frauen mitgeben könntest?

Ich finde, man muss Chancen ergreifen und nicht darauf warten, dass sie einem irgendwann zugeflogen kommen. Wenn jemand verlässlich ist und still gute Arbeit macht, dann hält derjenige den Laden zwar am Laufen, wird aber auch oft übersehen. Ich finde man sollte immer nach rechts und links schauen und überlegen, welche neuen Aufgaben sich ergeben können. Ich habe viele Leute gehen sehen und viele Veränderungen miterlebt. So wurde mir bewusst, dass man nichts geschenkt bekommt.

Was ist das Schönste an deinem Job?

Die Selbstständigkeit! Definitiv. Ich hätte früher nie gedacht, dass ich das einmal machen würde, weil ich gerne feste Strukturen habe, ein kollegialer Mensch bin und gerne im Team arbeite. Aber nach fünf Jahren in dem Business ist es mir zu eng geworden. Dass meine Gedanken durch so viele Instanzen mussten, war für die Lehrjahre zwar hilfreich, dann war ich aber an einem Punkt, an dem ich dachte: Ich kann das jetzt alleine. Und ich liebe die Verantwortung. Wenn etwas nicht funktioniert, kann ich niemandem die Schuld zuschieben. Wenn aber etwas gut läuft, dann weiß ich auch, dass das allein mein Verdienst ist.

Was fällt dir bei deiner Arbeit am Schwersten?

Alles unter einen Hut zu bringen finde ich manchmal schwierig. Ich mache das ja jetzt komplett alleine und da gibt es viele Aufgaben, die normalerweise eigenständige Berufe sind: Fotografieren, Bilder bearbeiten oder Grafiken erstellen. Das musste ich mir alles selbst beibringen.

Welches große Ziel möchtest du noch erreichen?

Wenn ich von all dem, was ich hier den ganzen Tag fabriziere, gut leben kann und mein Blog ernst genommen wird, dann habe ich alles erreicht, was ich möchte.

Von der Festanstellung in die Selbstständigkeit: Hat sich’s gelohnt?

Definitiv. Das wundert mich selbst, denn ich bin ein großer Zweifler und habe mir vorher sehr viele Gedanken gemacht, ob das wirklich funktioniert. Aber als ich den Schritt dann gegangen bin, war das ein tolles Gefühl – auch wenn ich die Zeit bei dem Magazin nicht missen will.

Mehr von Karoline Herr unter www.frolleinherr.com

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Fashion, Beauty und Interior: Karo Herr betreibt den erfolgreichen Blog frolleinherr.com.