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Wann geht ein Mann zu weit?

FREITAG, 11.01.2019

Die Debatte um #MeToo wirft wichtige Fragen auf und – was noch wichtiger ist – beantwortet sie. 

Nein, es ist nicht ok, wenn der Chef sexuelle Annäherungsversuche macht. Nein, es ist auch nicht ok, eine Angestellte zum romantischen Dinner und anschließend nachhause einzuladen. Während endlich zumindest ein Teil der Männerwelt wachgeworden ist und Besserung gelobt, herrscht noch immer Verunsicherung, wo die Grenzen gesetzt werden. "Man(n) wird ja wohl noch flirten dürfen", sagen Männer.

Sie haben nicht Unrecht. In Zeiten von #MeToo ist ein Teenager der Schule verwiesen worden, weil er versucht hat, seine genauso minderjährige Freundin auf der Klassenfahrt zu küssen. Das Mädchen hat sich nicht bedrängt gefühlt, der Verweis ist absurd. Die andere Seite existiert nach wie vor: Noch immer gibt man Frauen das Gefühl, sich schämen zu müssen, wenn zum Beispiel ein verliebter Kollege das Nein nicht akzeptiert, ihr stattdessen für weitere Annährungsversuche bis nachhause folgt und der Arbeitgeber versagt, weil er die Situation herunterspielt.

Als Frau stellt man sich oft genug noch die Frage, ob eine Grenze schon überschritten ist oder ob der Typ gerade nicht doch recht hat, wenn er "stell dich doch nicht so an" sagt. Wann gehen die Annäherungsversuche von einem Mann zu weit?

Wenn er ein Nein nicht akzeptiert

Es ist wirklich ganz einfach. Willst du mit mir ausgehen? Nein. Willst du mit mir nachhause gehen? Nein. Willst du mit mir schlafen? Nein. Ein Kuss wird nicht erwidert, eine Umarmung schnell gelöst. Die Grenzen werden definitiv dann überschritten, wenn ein Mann trotz klarer Antwort nicht ablässt. Das fängt beim Überreden an und wird im schlimmsten Fall zum Bedrängen. "Sie hat doch mitgemacht" ist danach kein gültiges Argument mehr.

Wenn du dich unwohl fühlst

Grenzen lassen sich natürlich individuell abstecken. Die eine Frau kann über penetrantes Zuzwinkern noch schmunzeln, eine andere schiebt den Klaps auf den Hintern danach noch mit einem Lachen weg. Wer solche Annährungsversuche wagt, ist in der Pflicht, so weit sensibilisiert zu sein, um zu verstehen, wann eine Frau sich nicht wohl fühlt. Manchmal reicht schon Menschenverstand: Hat eine Frau schon mehrmals ihr Desinteresse an einer Partnerschaft bekundet, sind anzügliche Liebesbotschaften, die persönlich in den Briefkasten gelegt wurden, ein unangenehmes Eindringen in die Privatsphäre.

Wenn Machtverhältnisse ausgenutzt werden

Es ist die tückischste Grenze. Die, die #MeToo hat entflammen lassen. Und die, derer Frauen sich nach wie vor nicht immer bewusst sind, wenn sie überschritten wird. Hierbei geht es nämlich nicht nur um offenkundig gewaltsame Übergriffe und Belästigungen durch Vorgesetzte, sondern auch um emotionale Erpressung, bei der vor allem Frauen vor beruflichen Nachteilen fürchten müssen. Dagegen helfen Aufklärung und eine Führungskultur, die Beschwerden genauso ernst nimmt wie Grenzen.

pin

Während endlich zumindest ein Teil der Männerwelt wachgeworden ist und Besserung gelobt, herrscht noch immer Verunsicherung, wo die Grenzen gesetzt werden.