Leben & Familie

Interview mit Moderatorin und TV-Journalistin Janin Ullmann

MITTWOCH, 13.06.2018

An Janin Ullmann kommt man derzeit nicht vorbei. Sie ist Moderatorin, TV Journalistin und Gesicht des Frauensenders sixx. Bei ProSieben moderiert sie große Shows wie „Das Ding des Jahres“ oder „Die Besten“.

Mit 18 Jahren begann ihre steile Karriere bei VIVA, zu Zeiten als Social Media noch nicht erfunden war und Jugendliche ihren Idolen noch durch Musikvideos „gefolgt“ sind. 6 Jahre später, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, hängt sie ihren Job plötzlich an den Nagel: „Ich dachte, alle Türen stehen mir offen.“

Sie versucht sich als Schauspielerin und entscheidet sich dann völlig unerwartet zu einer journalistischen Ausbildung beim NDR – will hinter der Kamera statt nur davor stehen. Und dennoch ist sie heute in zwei eigenen Sendungen auf sixx zu sehen: Der Home-Makeover-Show „Boom my Room“ und das Lifestyle Magazin „red.Style“. Und ist damit erfolgreicher als je zuvor.  

Warum Rückschläge eigentlich positiv sind und eine Kursänderung einem helfen kann, sich auf das zurückzubesinnen, was man wirklich möchte, hat uns Janin Ullmann verraten.

Was würdest du als deinen Schreibtisch bezeichnen?

Janin Ullmann: Obwohl ich Zuhause ein Arbeitszimmer habe, ist mein eigentlicher Schreibtisch sehr mobil und kann tatsächlich überall sein. Egal ob der Boden eines ICE´s, der Backstage-Bereich einer Veranstaltung oder mein Handy. Hauptsache, ich habe die Möglichkeit irgendwo zu schreiben. Meistens übrigens mit Zettel und Stift, da bin ich ein bisschen oldschool.

Wie würdest du deinen Job in drei Sätzen beschreiben?

Janin Ullmann: Keine geregelten Arbeitszeiten. Kein Urlaubsgeld. Dafür aber oft so viel Spaß, dass ich manchmal nicht weiß, ob man das Arbeit nennen darf.

Was waren die Meilensteine auf deinem Karriereweg?

Janin Ullmann: Für mich ging es 2000 beim Musiksender VIVA los. Damals war ich 18 und alles kam zugeflogen. Erst einige Jahre später habe ich mich für eine journalistische Ausbildung beim NDR entschieden. Das war definitiv der wichtigste und beste Schritt! Es tat mir gut mich auf den Hosenboden zu setzen und von der Pike auf zu lernen, was ich da jeden Tag so treibe. Der Blick von „vor der Kamera stehen“ hin zum „Fernsehen machen“ war mir sehr wichtig.

Was hat dich dabei angetrieben?

Janin Ullmann: Genau das. Ich möchte Fernsehen machen, entwickeln und vielleicht irgendwann selbst produzieren. Gemeinsam mit dem NDR habe ich bereits während meiner Ausbildung das Format „Bilder von dir“ entwickelt, für das wir für den Grimme-Preis nominiert wurden. Das war auch ein kleiner Meilenstein für mich.

Welche Rückschläge gab es?

Janin Ullmann: Als ich mich dazu entschieden habe meinen Job bei VIVA an den Nagel zu hängen, war ich gerade mal 24 Jahre und dachte, alle Türen stehen mir offen. Ich habe mich als Schauspielerin ausprobiert und irgendwann gemerkt, dass die stereotype Besetzung einer Blondine, die im Cabrio durch eine Großstadt fährt und sich zwischen zwei Männern entscheiden muss, mir auf Dauer doch zu einseitig wurde. Trotzdem hat mir diese Erfahrung geholfen mich zurückzubesinnen auf, das was ich wirklich möchte. Ohne all das hätte ich wahrscheinlich nie die Ausbildung beim Norddeutschen Rundfunk begonnen.

Was ist das Schönste an deinem Job?

Janin Ullmann: Am meisten mag ich, dass ich mich oft mit relevanten Themen auseinandersetzen darf, mit spannenden Menschen zu tun habe und selbst ständig etwas Neues dazulerne. Ich weiß seit meinen Sendungen, was der „lion passant“ auf Silber bedeutet, wie man eine Stichsäge benutzt und dass man die Frau des australischen Premiers ruhig als „delicious“ bezeichnen darf - das kann einem im Alltag alles nützen!

Was fällt dir bei der Arbeit am Schwersten?

Janin Ullmann: Reiseanträge auszufüllen! Ich kann es einfach nicht!!

Hattest du jemanden, den du als deinen Mentor betrachten würdest?

Janin Ullmann: Beim NDR habe ich einen Mentor. Und auch sonst versuche ich mich an die Menschen zu halten, die mir vorkommen, als wüssten sie was sie tun. Allerdings ist mir immer wichtig, dass das Menschen sind, die wirklich lieben was sie machen, die die Menschen um sie herum gut behandeln und die ihre Sache sehr sehr gut machen.

Was war der beste berufliche Ratschlag, den du je bekommen hast?

Janin Ullmann: Augen auf bei der Berufswahl! Der Satz stimmt. Du kannst den Beruf nicht ohne Demut machen. Wenn man weiß, dass man sich das alles selbst eingebrockt hat, wird man auch ein bisschen milder mit sich selbst.

Wie definierst du Erfolg?

Janin Ullmann: Ich glaube, Erfolg ist ein Prozess und kein Ziel. Ich habe das Gefühl, dass ich Erfolg habe, wenn ich mich für etwas, oder jemanden sehr angestrengt habe und dabei etwas Schönes entstanden ist. Wenn ich für "Boom my Room" ein Möbelstück baue, dann bin ich jedes Mal stolz wie Oskar, wenn ich mit meinen Händen etwas erschaffen habe, was vorher nicht da war. Am meisten freue ich mich aber immer über die Momente, in denen ich meine liebsten Menschen um mich herumhabe. Wenn wir alle zusammensitzen, essen und uns unterhalten, dann weiß ich, das ist der größte Erfolg für mich persönlich, zu wissen, dass ich diese Menschen an meiner Seite habe. Meine größten Erfolge haben in aller Konsequenz überhaupt nichts mit meinem Beruf zu tun. Das passiert woanders, im Stillen.

Welches große Ziel möchtest du noch erreichen?

Janin Ullmann: Eines, das ebenfalls nicht beruflicher Natur ist.

Text: Ines Hanusch

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