Liebe & Lust

Darum stehen gerade alle wieder auf kitschige Rom-Coms

DIENSTAG, 15.01.2019

Filmstudios kommen mit der Produktion von jugendlichen Romanzen gerade nicht hinterher. Woher kommt das neue alte Phänomen auf einmal?

Die späten 90er und frühen 2000er waren nicht nur die besten Jahre von Paris Hilton und Co., sondern auch die der herrlich romantischen Komödien. Wer damals Teenager war, schwelgt heute mit "10 Dinge, die ich an dir hasse" mit Julia Stiles und Heath Ledger oder bei "Eine wie keine" mit Freddie Prince Junior in Erinnerungen wie an die eigene, erste große Liebe. Vielleicht erinnert man sich an die Filme sogar noch besser, man hat sie seitdem vermutlich öfter wiedergesehen als den Typen aus der Schule.

Die Rom-Com ist wieder da

Rom-Coms, englisch kurz für romantische Komödien, waren in den letzten Jahren ein so gut wie ausgestorbenes Genre. Kurze Zusammenfassung einer Romantic Comedy: Sie spielt meistens in der High School. Es gibt den beliebten, natürlich unfassbar gutaussehenden Typen und ein schüchternes Mädchen, das vielleicht erst im Laufe des Films zur Schönheit wird. Am Ende sind die beiden ein glückliches Paar, das man sich in der nächsten Rom-Com sehr gut als die glücklich verheirateten Eltern neuer Teenager vorstellen kann.

Warum ist die Rom-Com überhaupt verschwunden? Sind Jugendliche denn gar nicht mehr romantisch? Jetzt, da man das Internet und mit ihm sämtliche Möglichkeiten als Smartphone immer in der Tasche hat, muss man vielleicht nicht mehr an die kitschige Liebe glauben. Witzig sind sowieso nur noch Memes. Den meisten wird die Lücke gar nicht bewusst sein. Besonders dann nicht, wenn man die alten Rom-Coms nicht kennt.

Was können wir von den neuen Rom-Coms lernen?

Romantik und Witz in Social-Media Zeiten. Dieses Filmgenre hat Jugendlichen schon immer eine Traumvorstellung davon gegeben, wie Liebe und Beziehungen ablaufen können. Auch wenn das in Rom-Coms natürlich gnadenlos geschönt ist, sind sie doch eine Anleitung dafür, wie man sich heute romantisch verhält und Unsicherheiten bewältigt. Die Streaming-Erfolge "The Kissing Booth" und "To All the Boys I’ve Loved Before", zeigen zum Beispiel, wie man als Paar Selfies postet und wie das eine Beziehung definiert. Man lernt, dass es romantisch ist, sowas altmodisches wie (per Hand!) geschriebene Briefchen zu überreichen.

Die Rom-Com hat immer ein Happy End. Auch wenn man das jetzt vielleicht nicht hören will, aber: Insgeheim sehnt man sich danach. Ein anderes Ende macht nach einem Film einfach nicht mehr zufrieden. Denn: Die Welt ist schon zu oft ohne glückliches Ende, Filme sollen das bitte nicht sein. Sie sind Flucht aus dem Alltag. Die romantische Komödie regt nicht zum Nachdenken an, sie ist kein Lehrstück. Sie ist eine Flucht aus der Realität und lädt zu Träumen ein. Im Gegensatz zur Flucht in die digitale Welt, ist die Rom-Com endlich. Die neuen Romantic Comedys sind für ein junges Publikum geschrieben, sie sprechen aber auch eine ältere Zielgruppe an (die das teilweise niemals zugeben würde) – noch mal jung sein, nicht immer so ernst, hach wie schön.

Das wichtige neue Normal der Rom-Com

Gesellschaftskritik ist sicherlich nicht das Ziel, dem sich Rom-Coms verschrieben haben. Die neuen Filme haben trotzdem eine wichtige Message: Diversität. In den 90ern war das noch anders, da waren die Helden und Heldinnen meistens blond, manche auch brünett. Die Rom-Coms der Gen Z überzeugen mit einem selbstverständlich vielfältigerem Cast. Auch gleichgeschlechtliche Liebe ist in den neuen Teenie-Filmen so normal, dass es nicht mal mehr zum großen Thema gemacht werden muss. Eine gute Realität.

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Die Romantic Comedy ist wieder da