Das, was böse Mädchen tun: Eine erotische Kurzgeschichte

DONNERSTAG, 22.03.2018

Sommer, warm, sonnig und ein riesengroßes Urlaubsfeeling, welches in allen Ecken stecken sollte. Das lud regelrecht dazu ein, sich volle Kanne in jemanden zu verknallen und mit ihm das Flirtgesamtpaket auszuprobieren.

Seufzend wandte ich mich dem Koffer zu, um ihn auszupacken. Alle aus diesem Stadthaus, welches ich mit den Mädels und Quentin gemietet hatte, waren im Urlaub. Ob Backpack-Touren, Städtetrips oder Sonnenbaden. Sie waren überall in der Welt zerstreut und ich war hier – weil Kati unseren Freundinnenurlaub in letzter Sekunde sausen ließ. Sie stammelte irgendetwas von Liebeskummer, Schokoeis und Schnulzenromane. Doch all das schien mir keine Entschuldigung für die Absage eines wahrhaftigen Mallorca-Mädelsabenteuers. Ich riet ihr, ihren Po mit ein bisschen Prosecco schnellstmöglich zu mir zu bewegen, aber sie wollte allein sein.

Ich riet ihr, ihren Po mit ein bisschen Prosecco schnellstmöglich zu mir zu bewegen, aber sie wollte allein sein

Allein sein? Wie bitte, was? Was ist mit uns passiert? Wann hatten wir uns das letzte Mal so sehr die Kante gegeben, dass wir nur schwerlich zurück ins Hotel fanden? Wann hatten wir uns das letzte Mal so aufgeführt, als wären wir gottverdammte Mitglieder einer Junggesellinnen-Vereinigung, die wochenends nichts Besseres zu tun hatten, als verlobten Frauen das Single-Dasein schmackhaft zu machen? Irgendetwas musste geschehen sein – jedenfalls waren weder Kati noch ich das schwungvolle Cool-Girl, welches wir einmal waren. Tatendurstig und temperamentvoll – es schien mit jedem Jahr mehr zu einer Geschichte zu werden, die wir nicht mehr lebten, sondern von der wir nur noch erzählen konnten. Es musste mal wieder etwas Verrücktes geschehen.

Es musste mal wieder etwas Verrücktes geschehen

Gähnend sah ich aus dem Fenster. Das stylische Paillettenkleid, mit dem ich meine Kati beeindrucken wollte, saß an mir wie fehl am Platz. Sehnsüchtig wartete ich auf ein Abenteuer, wochenlang, und glaubte, dieses Abenteuer bei einem Last-Minute-Trip mit Kati zu finden. Und jetzt platzte die Traumblase.

Es war etwas windig, nicht kühl, aber frisch. Die grasgrünen Eichenblätter wehten sanft und ich verlor mich in ihrem Anblick. Alles an mir kribbelte und war gleichzeitig müde. Eine merkwürdige Mischung an Gefühlen, die diese Enttäuschung mit sich brachte.

Plötzlich sah ich, wie ein knallroter Wagen auf unsere Hofeinfahrt fuhr. Schritttempo, als würde das meine Spannung erhöhen.

Nanu? Ich dachte, alle wären im Urlaub?

Weder Quentin, noch die Mädels, mit denen ich zusammenwohnte, besaßen ein rotes Auto. Da fiel es mir wieder ein: Unser Vermieter hatte ein paar Experten schicken wollen, die etwas an der Terrasse machen würden, solange die Crew im Urlaub war.

Ungewöhnlich war, dass der Typ, der ausstieg, nicht gerade nach einem Handwerker, sondern eher nach einem Businessmann aussah, der mich ehrlich erregte. Das war das Abenteuer, auf das ich mich zu stürzen hatte.

Ein Businessmann, der mich ehrlich erregte

Ich sah genauer hin und erkannte, dass sein Jackett perfekt zu seinen dunklen Haaren passte. Als kenne er sich aus, stolzierte er in den Garten. Sicher war er Ingenieur oder Chef der Handwerker-Firma. Bestimmt handelte es sich bei seinem Besuch um eine Bestandsaufnahme oder Ähnliches. Ich grinste in mich hinein, beugte mich etwas vor und nahm ihn genauer unter die Lupe. Schon spielte ich mit dem Gedanken, hinunterzulaufen, ihm Kaffee anzubieten und ihn so lange anzuflirten, bis er mir seine Nummer gab.

Irgendwie kam er mir bekannt vor. Wie aus einem Traum. Ich atmete erschrocken auf, als ich mich erinnerte. One-Night-Stand vor drei Jahren. Toni war sein Name. Er hatte mich abgeschleppt, wir haben kaum ein paar Worte miteinander gewechselt, da hatte er mich schon auf sein weiches Bett platziert. Ich musste ihm nur sagen, dass ich es wollte, und er war bereit, mir jeden Wunsch zu erfüllen.

Sollte ich ihn begrüßen und ihm einen Kaffee anbieten? Nein, das war nicht die Art, wie ich mit Toni umging. Es musste offensichtlich sein – erotisch, aufreizend, selbstbewusst.

Das Paillettenkleid fiel mit meiner Unschuld von meinem Körper

Schnell, Pia, du hast nicht viel Zeit, sagte ich mir und entledigte mich meiner Kleidung. Das Paillettenkleid fiel mit meiner Unschuld von meinem Körper und ich griff nach einer Tagesdecke und meinem Lieblingsdildo. Wie eine Verdurstende eilte ich die Treppen hinunter. Vom Wohnzimmer aus war ein direkter Zugang zur Terrasse und schließlich zu ihm. Fenstertüren wären das Einzige, was uns trennen würde. Toni – wie er dastand, zum Vernaschen! – maß die Fläche aus und machte sich offenkundig ein Bild von der Terrasse. Er bemerkte mich nicht. Ich breitete meine Decke auf den Fliesen aus, legte meinen nackten Körper darauf. Nur ein einziges Mal müsse er sich umdrehen, um mich zu sehen. Hier war niemand, er könnte einfach hereinkommen und mit mir das Spiel fortsetzen, welches wir vor drei Jahren begonnen hatten. One Night Stand Extended.

Toni, schau doch mal hinter dich …

Er bräuchte nicht einmal etwas zu sagen, um mit mir zu schlafen. Er müsste nur herüberschauen

Wir verstanden uns schon früher mit wenig Worten. Er bräuchte nicht einmal etwas zu sagen, um mit mir zu schlafen. Er müsste nur herüberschauen. Ich legte mich lustvoll auf die Seite und wartete auf seine gierigen Blicke. Ob er mich erkennen würde? Ich berührte meinen Körper und da geschah es: Als würde er spüren, was sich hinter ihm tat, drehte er sich um. Sein Blick fing meinen Körper ein und er sah überrascht wie verlegen zugleich aus. Wusste er, wer ich war?

Als wäre das nicht genug, nahm ich meinen Lieblingsdildo und ließ ihn über die zarte Haut meines Bauches streichen. Toni stand immer noch vor der Fenstertür und seine Hose schien immer enger zu werden. Das sah ich. Dafür hatte ich einen geschulten Blick.

Komm her, Toni.

Er schüttelte sanft den Kopf und ich glaubte, ein Lächeln auf seinen Lippen zu erkennen. Als würde er sagen: "Ich muss arbeiten, Kleine …", aber genau wissen, was ich von ihm wollte. Sex – verrucht, schamlos und leidenschaftlich.

Sex – verrucht, schamlos und leidenschaftlich

Ich zwinkerte ihm zu und das sollte ihm ein Zeichen dafür sein, dass er hereinkommen sollte. Wollte er sich meine kleine Show nicht von Nahem ansehen?

Lasziv lächelnd rekelte ich mich, legte mich auf meinen Rücken und spreizte die Beine. Ich lag längs zur Fenstertür, sodass er mich zwar nackt betrachten, doch nicht sehen konnte, was ich zwischen meinen Schenkeln tat. Vorsichtig streifte ich den Dildo an meiner Klitoris und ließ Toni mit ein paar Bildern, die ich ihm lieferte, erahnen, was ich mit mir anstellte. Wenn er mehr wollte, sollte er den Mut fassen und hereinkommen. Doch mein One-Night-Stand-Toni stand da und betrachtete mich nur. Er schien es zu genießen – so wie ich. Mit verruchten Blicken versuchte ich, ihn näher an das Fenster zu locken, damit er Hand an mir anlegen konnte. Er blieb wie angewurzelt stehen, als würde er darüber nachgrübeln, ob das hier Traum oder Wirklichkeit war.

Ich spürte intensiv, wie sich eine Welle der Erregung durch meinen Körper schlug

Das sinnliche Gefühl war in jedem Zentimeter meines Körpers deutlich zu spüren. Mir gefiel es wunderbar, mich von ihm beobachten zu lassen, ihn von seiner Arbeit abzuhalten.

Das, was böse Mädchen tun. Und zwar dann, wenn die Verführung so drängend im Mittelpunkt steht. Oh, und wie sie das tat. Die Luft fühlte sich viel dünner an. Das Kribbeln auf meinem Körper schien so verheißungsvoll und jetzt fühlte auch ich mich wie in einem heißen Sextraum. Gefesselt in der Erregung, die durch meinen Körper jagte. Ich schloss meine Augen und als ich sie wieder öffnete, hörte ich das dringliche Klopfen an der Haustür aus dem Flur hinter mir. Kati – kann sie denn nicht einfach die Klingel nutzen?

Ich atmete scharf ein und zuckte zusammen. Meine Lust auf Sex war nun nicht mehr zu ignorieren – ob Kati hier war oder nicht. Was jetzt geschah, war dem Schicksal und unserem Verlangen überlassen.

Von Nova Niedermeyer

Frau mit angezogenen Beinen auf dem Bett liegend pin

"Das, was böse Mädchen tun" - eine erotische Kurzgeschichte von Nova Niedermeyer.