Masturbation unter Sauerstoffmangel: Was ist Hypoxyphilie?

SONNTAG, 03.08.2014

Gefährliche Lust: Menschen, die sich während der Selbstbefriedigung die Luft abschnüren und so ihre sexuelle Erregung steigern, gelten als Vertreter der Hypoxyphilie.

"Autoerotische Unfälle" nennt die Kriminalpolizei Todesfälle, bei denen Menschen sich während der Masturbation selbst die Luft abschnürten und dann erstickten. Rund 100 derartige Todesfälle soll es laut einem aktuellen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" jährlich in Deutschland geben.

Wissenschaft sucht nach Erklärungen

 

Die Medizin beschreibt Hypoxyphilie als die Lust am Sauerstoffmangel. Menschen schnüren sich mit Gürteln, Riemen, Tüten, Kordeln oder anderen Gegenständen die Luft ab, um einen intensiveren Höhepunkt zu erleben – oder um überhaupt zum Orgasmus zu kommen. Eine sexuelle Vorliebe, die oft schiefgeht. Michael Hutchence ist ein berühmtes Beispiel. Der Sänger der Rockband INXS wurde 1997 in seinem Hotelzimmer mit einem Gürtel um den Hals tot aufgefunden.

Wie genau diese Spielart der Masturbation entsteht, kann die Wissenschaft nicht erklären. Weil aber Sauerstoffmangel im Gehirn eine narkotische und euphorisierende Wirkung auslöst, erlebt jemand den Orgasmus bei gleichzeitigem Sauerstoffmangel womöglich noch intensiver. Gerade weil diese Sexpraktik aber so gefährlich ist, wird immer wieder davon abgeraten, sie in das Liebesspiel einfließen zu lassen – egal, ob beim Solo-Sex oder beim Akt mit dem Partner.

Masturbation wird lebensgefährlich

Studien zur Hypoxyphilie gebe es laut "sueddeutsche.de" kaum. Die wenigen, die es gebe, seien teils widersprüchlich. Wolfgang Keil, Leiter der Münchner Gerichtsmedizin, hatte beruflich schon des Öfteren mit toten Hypoxyphilie-Anhängern zu tun. Er spekuliert über eine körperliche Ursache dieser sexuellen Vorliebe, die die Berliner Charité unter "Störungen der sexuellen Präferenz" auflistet. "Man weiß aus uralten Zeiten von Männern, die bei ihrer Hinrichtung durch Erhängen eine Erektion bekamen und einen Orgasmus hatten", sagt er im Gespräch mit der Zeitung.

Sich bei der Masturbation dieser Neigung hinzugeben ist gefährlich – vor allem, wenn es um Selbstbefriedigung geht. Sollte es wirklich zu einem autoerotischen Unfall kommen, bemerkt im schlimmsten Fall niemand, dass Hilfe benötigt wird. Natürlich ist es wichtig, sexuelle Fantasien auszuleben und mit dem Partner darüber zu sprechen. Einige Fetische sind allerdings einfach zu gefährlich.

Wenig Luft - viel Lust? Zumindest für Vertreter der Hypoxyphilie geht diese Gleichung auf...

Sex

Mehr zum Thema