Nebenwirkung der Antibabypille: Keine Lust auf Sex

MONTAG, 28.10.2013

Die Antibabypille ist eines der komfortabelsten und sichersten Verhütungsmittel. Einige Frauen klagen jedoch über eine Abnahme der Lust auf Sex. Besteht da ein Zusammenhang?

In den Beipackzetteln der verschiedenen Antibabypillen wird sexuelle Unlust teilweise unter den gelegentlich auftretenden Nebenwirkungen, teilweise sogar bei den häufig auftretenden Nebenwirkungen aufgeführt. Verschiedene Studien haben sich bereits mit dem Einfluss der Pille auf die sexuelle Lust beschäftigt.

Zerstört die Antibabypille die Libido?

Eine Studie der Universität Boston, die im Jahr 2005 im Wissenschaftsmagazin "New Scientist" veröffentlicht wurde, kam zu dem Ergebnis, dass die Antibabypille zu einer Abnahme der Lust auf Sex führen kann. Dem Team um den Sexualmediziner Irwin Goldstein zufolge soll der durch das Verhütungsmittel ausgelöste Libidoverlust sogar noch bestehen bleiben können, wenn die Pille bereits wieder abgesetzt wurde. Sogar eine dauerhafte sexuelle Unlust könne die Folge sein. Schuld daran soll die Wirkung der Antibabypille auf den Testosteronspiegel sein. Die Menge des Sexualhormons sinke laut Goldstein durch die Pille deutlich unter den Wert, der für die Lust auf Sex gegeben sein muss.

Hormone nur in den wenigsten Fällen lustmindernd

Ob tatsächlich die Hormone, die in der Antibabypille enthalten sind, zu einem Libidoverlust führen, ist allerdings strittig. Die 125 Frauen, die an der Studie der Universität Boston teilgenommen hatten, hatten sich alle bereits zuvor aufgrund sexueller Störungen in ärztlicher Behandlung befunden. Eine weitere Studie zu dem Thema führten die Unikliniken Heidelberg, Tübingen und Basel gemeinsam durch. Im Rahmen der Studie machten 1000 Medizinstudentinnen Angaben zu Sexualstörungen und verschiedenen möglichen Auslösefaktoren. Dabei zeigte sich, dass zwar rund ein Drittel der Studienteilnehmerinnen sexuelle Probleme hatte, darunter berichteten jedoch nur sechs Prozent von mangelnder Lust auf Sex. Inwieweit die Hormone dafür verantwortlich sind, sei den Medizinern zufolge unklar. "Betrachtet man alle entsprechenden Studien, wirken Hormone in höchstens zehn Prozent der Fälle lustmindernd", erklärt Professor Alfred Mück vom Institut für Frauengesundheit Baden-Württemberg an der Universität Tübingen gegenüber der "Apotheken Umschau".

Die Nebenwirkungen der Antibabypille

Grundsätzlich kann die Pille sehr viele Nebenwirkungen verursachen, allerdings treten die meisten Symptome nur sehr selten auf. Zu den harmlosen Nebenwirkungen der Antibabypille zählen Kopfschmerzen, Pilze, Zwischenblutungen, Ausfluss und wenig Lust auf Sex.

Viele Nebenwirkungen verschwinden nach dem Absetzen der Antibabypille recht schnell wieder. Allerdings kann es in Einzelfällen auch zu schwerwiegenderen Nebenwirkungen kommen. Hierzu zählen beispielsweise ein Herzinfarkt, Hirnschlag, Migräneanfälle, Thrombosen und Lungenarterienembolien. Auch hoher Blutdruck und Depressionen können durch die Pille verursacht werden. 

Die Geschichte der Antibabypille

Erste Planungen gab es früh, doch etabliert hat sich die hormonelle Verhütung erst in den 1960er Jahren. Die meisten Frauen können heutzutage auf hormonelle Verhütung in Form der Antibabypille kaum noch verzichten, da sie beinahe schon zum Alltag gehört. Bis die erste Antibabypille auf dem Markt war, dauerte es jedoch viele Jahre.

Anfang der 1940er Jahre glaubten Forscher, sie könnten Substanzen, die ähnlich wie Sexualhormone wirken, aus Pflanzen gewinnen. Doch das gelang nicht. Erst einige Jahre später konnte der Pharmakologe Gregory Pincus den Stoff Norethisteron herstellen, der als Testosteron-Derivat den Eisprung bei der Frau verhindert. Dieser Stoff wurde später Hauptbestandteil der Antibabypille. Wenige Jahre später wurden die ersten Tests an Menschen durchgeführt. Von den 100 Frauen, die teilnahmen, wurden zwar 17 schwanger. Im Nachhinein stellte sich allerdings heraus, dass die Probandinnen die Antibabypille nicht regelmäßig eingenommen hatten. Im Jahr 1960 wurde die Antibabypille dann in den USA zugelassen. Ein Jahr später kam das Präparat auch in Deutschland unter dem Namen Anovlar auf den Markt.

Hier geht's zum Google Plus Profil von Liebe & Lust Google+

10 Sekunden bis zum nächsten Video Stop Nochmal abspielen