Liebe & Lust

Paula Lambert über Intersexualität

FREITAG, 26.10.2018 Paula Lambert

"Kommst du?" - die Kolumne von Paula Lambert lest ihr wöchentlich neu, hier bei fem.com. Paula Lambert, bekannt aus der sixx-Sendung "Paula kommt" oder "Paula kommt ... am Telefon", beschäftigt sich in ihrer Kolumne jede Woche mit einem aktuellen oder brisanten Thema rund um Frauen, Männer, Sex, Liebe, Lust und Beziehung. In dieser Kolumne beschäftigt sich Paula mit der Thematik der Intersexualität. 

An diesem Freitag wird der Tag der Intersexualität gefeiert, was ein sehr schöner und nötiger Feiertag ist, weil er eine vorzügliche Gelegenheit bietet, mal über den eigenen Tellerrand zu blicken. Mit Tellerrändern ist es ja so eine Sache. Wir alle haben einen, und wenn man Pech hat und ganz tief unten sitzt, dann rauscht die Welt an einem vorbei und man kann nur das sehen, was sich unmittelbar über einem abspielt. Wer so wenig sieht, dem kann die Welt leicht Angst machen. Und wer Angst hat, der beginnt zu beißen. Ich finde, das sieht man gerade schön deutlich an dem Strom jener Menschen, die überall den Rechtspopulisten in die Arme rennen. Populisten zeichnen die Welt schön einfach und so übersichtlich, dass die vermeintliche Gefahr ständig im Lichtkegel des Suchscheinwerfers herumläuft. 

Homosexuelle werden in einigen Ländern wie eine Gefahr behandelt

Je populistischer sich ein Land aufstellt, umso größer ist also auch die Nöte der Menschen, die sexuell anders sind als die Mehrheit. Es gibt unglaublich viele Länder, in denen Homosexuelle behandelt werden, als ginge von ihnen eine Gefahr für die öffentliche Ordnung aus. Dabei habe ich noch nie gehört, dass Homosexuelle Heteros zwingen, endlich auch der gleichgeschlechtlichen Liebe zu frönen. Anders herum allerdings schon. Schaut euch mal „Boy Erased“ von Joel Edgerton an, dann wisst ihr, was ich meine.

Ganz egal wer was ist - niemand hat das Recht sich einzumischen

Intersexualität beschreibt die Ausrichtung von Menschen, die sich nicht entscheiden können oder wollen, ob sie Mann oder Frau sind, weil sie zum Beispiel als Transsexuelle eine Seele haben, die sich schlicht den falschen Körper ausgesucht hat und sich darum fremd darin fühlt.  Wie tief das Thema der Intersexualität reicht, habe ich erstmals verstanden, als eine Frau, die zu Gast in meiner Sendung war, einen anderen Menschen dazu geladen hat. Es klingelte damals an der Tür und vor mir stand, für mich klar erkennbar, eine Frau. Als ich aber im Gespräch „sie“ sagen wollte, korrigierte die Person mich und sagte, dass sie non-binary sei, sich also keinem Geschlecht zugehörig fühle und sich ebenso nicht in Geschlechtertypen verlieben würde, sondern in Menschen. Schließlich führte die Unterhaltung noch dahin, dass ich eine Cis-Frau sei (also biologisch wie auch per Selbstdefinition eine Frau), bei Frauen es hingegen auch reiche, wenn sie sich selbst als solche definierten, obwohl sie einen primär männlichen Körper haben. Ich muss zugeben, dass mich das Gespräch etwas verwirrte, ganz einfach deshalb, weil ich mir selbst nie Gedanken über mein Frau-Sein gemacht habe, sondern stromlinienförmig voran gelebt habe. Das ist aber nicht für alle so. Im Grunde ist es wirklich wurscht, wer was ist und niemand hat das Recht sich dort einzumischen. Ich finde, es gibt nur zwei Arten Menschen, nämlich solche, die sich wie egozentrische Arschlöcher aufführen und jene, die das eben nicht tun. Ich verstehe auch nicht, warum von Seiten der Regierung ein solches Gewese um den so genannten Geschlechtseintrag im Personenstand gemacht wird. Es wäre ein leichtes, den Eintrag einfach gänzlich zu streichen, weil es uns eigentlich egal sein müsste. Stattdessen stehen nun folgende Möglichkeiten offen: Männlich, weiblich oder divers. Ich fände folgende Idee schöner: Arschloch haben: ja. Arschloch sein: Nein.

Alles Liebe

Paula

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"Kommst du?" - Die Kolumne von Paula Lambert lest ihr jede Woche neu bei fem.com.

Paula Lambert

Paula Lambert ist Deutschlands bekannteste Sex- und Beziehungsexpertin. In ihrer sixx Sendung "Paula kommt" und "Paula kommt ... am Telefon" spricht sie mit ihren Gästen über Themen rund um Liebe, Sex und Beziehung: von Dating über Eifersucht bis hin zu Sex-Praktiken und -Fantasien. Paula Lambert nimmt kein Blatt vor den Mund und weiß, was Frauen bewegt und sie (noch) glücklicher macht.