Weiblicher Orgasmus: Es gibt eine neue Theorie

MONTAG, 29.10.2018

Ein weiblicher Orgasmus ist etwas ganz Wunderbares, darin sind sich Frauen wie Männer einig. Waren dessen Sinn und Bedeutung – im Gegensatz zum Höhepunkt des Mannes – bislang jedoch unbekannt, kommt jetzt offenbar Licht ins Dunkel. 

Während bei Männern klar ist: Ohne Orgasmus und Ejakulation keine Fortpflanzung, grübelt die Menschheit seit Ewigkeiten über die Funktion des weiblichen Orgasmus. Amerikanische Forscher haben nun neue Theorien dazu aufgestellt, was sich die Natur beim Höhepunkt der Frau gedacht hat und warum sie dazu kommt.

Eine Reise in die Vergangenheit

Wozu ist ein weiblicher Orgasmus eigentlich gut? Bloß ein Geschenk der Natur an die Frau oder eine Sache der Gleichberechtigung? Bereits seit Aristoteles haben sich zahlreiche schlaue Köpfe Gedanken zu dem Vorgang im weiblichen Körper gemacht. Jetzt sind Forscher der Yale University und dem Cincinnati Childrens Hospital in New Haven der Beantwortung der Frage endlich ein Stück nähergekommen und haben ihre Ergebnisse im Magazin JEZ-Mocecular and Developmental Evolution veröffentlicht. Mithilfe der Methoden und Ideen der Evolutionsbiologie verglichen sie den Menschen und bestimmte Tierarten und stellten eine neue Behauptung auf.

Mann und Frau im Bett

Bei Frauen ist der Orgasmus von der Stimulation, nicht vom Sex abhängig.

Weiblicher Orgasmus soll die Fruchtbarkeit unterstützen

Bei ihren Untersuchungen fiel den Wissenschaftlern auf, dass der weibliche Orgasmus einen hormonellen Umschwung auslöst. So schütten die neuroendokrinen Drüsen während des Höhepunkts die Hormone Prolactin und Oxytocin aus. Mit Blick auf unsere Vorfahren zeigte sich schließlich, dass genau diese Botenstoffe bei vielen Säugetieren wie Katzen oder Kaninchen verantwortlich für den Eisprung sind. Bei einigen Tieren sind somit die fruchtbaren Tage direkt mit sexueller Aktivität verbunden. 

Anders bei uns Menschen, denn der natürliche Zyklus einer Frau ist nicht vom Bettgeflüster abhängig. Dennoch sind sich die Forscher einig: Bevor der weibliche Körper so funktionierte, gab es vermutlich einen sexinduzierten Eisprung. Während dieser im Laufe der Zeit von einer zyklischen Ovulation abgelöst wurde, ist der weibliche Orgasmus bestehen geblieben.

Die Klitoris als Lustzentrum

Doch damit nicht genug: Die Evolutionsbiologen entdeckten außerdem, dass bei Lebewesen, deren Eisprung heute zyklisch bedingt ist, die Klitoris im Laufe der Zeit von der Innenseite der Vagina in den Außenbereich gewandert ist. Da die weibliche Spezies so beim Geschlechtsakt weniger stark stimuliert wurde, musste der Körper sich eine andere Methode zur Befruchtung überlegen – und begann in kontinuierlichen Abständen Eizellen zu produzieren. Hundertprozentig bestätigt sind diese Thesen noch nicht, doch das Geheimnis "weiblicher Orgasmus" scheint auf einem guten Weg, gelüftet zu werden.

Fazit:

Der weibliche Orgasmus ist überflüssig? Biologisch gesehen stimmt das – allerdings fanden Forscher im Rahmen einer Studie heraus, dass das vermutlich nicht immer so war. Sie gehen davon aus, dass früher Sex den Eisprung auslöste, bevor dieser von einer zyklischen Ovulation abgelöst wurde. Die Frage, welche Bedeutung der weibliche Orgasmus heute genau hat, konnten die Forscher hingegen nicht klären.

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