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Darf man als Feministin Pornos gucken?

FREITAG, 08.03.2019

Feministinnen wollten Pornos gerne verbieten, weil sie frauenverachtend sind. Aber Porno kann auch feministisch sein! Wir erklären den Unterschied.

Von den frauenverachtenden Dingen dieser Welt (von denen gibt es wirklich sehr viele), gelten Pornos mit als die schlimmsten. Sie zeigen Frauen, die nichts anderes als Objekte sind, mit großen Brüsten, immer aufnahmebereiten Körperöffnungen und einladend lustvollen Blicken. Man guckt da nur auf die Frau – sagen die meisten Männer selbst. Frauen sind in den meisten Pornos lebende Sexpuppen, die man sich nehmen kann, wann man möchte. Das ist ein ganz schön rückschrittliches Frauenbild, das gefährlich sein kann, wenn die Zuschauer nicht zwischen Film, also Fantasie, und Realität unterscheiden können.

Wie groß ist die Wirkung von Pornos auf das Frauenbild?

Eine ganze Reihe von Feministinnen wollte Pornos immer verbieten lassen. Die klügsten (weiblichen) Köpfe haben schon in den 70er-Jahren dafür plädiert. In Deutschland ging Alice Schwarzer mit der Kampagne "PorNo" in den 80er-Jahren voran. Dem gegenüber steht eine jüngere Studie der Western University in Kanada, die herausgefunden haben möchte, dass Menschen, die Pornos gucken, ein positiveres Frauenbild haben. Ein Blick in die Studie zeigt allerdings: Aufgrund der befragten Männer – die alle jung, liberal, nicht-religiös waren –, ist die Studie wissenschaftlich genauso wenig fundiert wie die Anklage einiger Feministinnen gegen jede Art von Pornografie.

Pornos müssen fair sein

Ein freier Zugang zu Pornos ist wichtig für Männer und Frauen. Um die eigene Sexualität zu erkunden und anzunehmen, gegen eventuelle Hürden und Stigmata. Das mit dem freien Zugang ist im Prinzip schon mal gar kein Problem, das Internet ist voll davon. Mehr als zwei Millionen Suchergebnisse bringen dich zu kostenlosen Pornos. Darin steckt allerdings eines der größten Probleme: Denn ein freier Zugang sollte nicht "kostenlos" bedeuten. Moralisch vertretbares Pornogucken fängt schon dabei an, dass alle Mitwirkenden anständig bezahlt werden können und dass Darsteller*innen gut behandelt werden. In der Industrie spricht man dabei von Fairporn. Ein Begriff, der hoffentlich mal überflüssig sein wird, weil er zum Standard wird.

Porno kann feministisch sein

Pornos sind für Frauen (auch und vor allem für die ordentlich emanzipierten) vor allem dann attraktiv, wenn sie die weibliche Lust positiv darstellen. Man nennt das "feministische Pornos". Solche machen zum Beispiel Erika Lust und Petra Joy, die Pornoseite Bellesa zeigt sie. Die SPD hat im Sommer verkündet, feministische Pornos mit öffentlichen Mitteln fördern zu wollen und diese dann auf öffentlich-rechtlichen Sendern auszustrahlen. Als Lehrstücke gegen Sexismus.

Pornos darf man dann als feministisch bezeichnen, wenn er nicht menschenverachtend, heißt nicht frauenfeindlich ist. Wenn er die Lust von allen Beteiligten und Konsens zeigt und in den Kameraeinstellungen so vielfältig ist, wie die gezeigte Sexualität. Also keine Normen von Plastikfrauen und Kameras, die nur auf hüpfende Brüste, gespreizte Pobacken und penetrierte Vaginas zoomen. Auch hier ist die Bezeichnung allerdings eine Frechheit, weil diese Art der Pornografie für ein gesundes Frauenbild zum Standard werden sollte – und dann irgendwann ohne beschreibendes Adjektiv auskommt, dass sie zum Sonderfall macht.

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